Kopfzeilen Motiv - Behindertenbeirat Trier

Mangel an barrierefreiem Wohnraum

Pressemitteilung

 

Eine vom Beirat der Menschen mit Behinderungen der Stadt Trier bei den großen in Trier ansässigen Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften durchgeführte Befragung hat ergeben, dass barrierefreier bzw. barrierearmer Wohnraum in großem Ausmaß fehlt.

 

An der freiwilligen Befragung haben die gbt, die BVT, die GeWoGe Trier 1922, die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mbH, die Wohnungsgenossenschaft „Am Beutelweg“ e.G., die Gemeinnützigen Baugenossenschaft Pfalzel e.G. und die Baugenossenschaft der Eisenbahnbediensteten e.G. teilgenommen.

Nach dem Ergebnis der Umfrage verfügen diesee Gesellschaften/Genossenschaften zusammen über gerade 268 behindertengerechte Wohnungen bei einem Gesamtbestand von 6760 Wohnungen. Das bedeutet, dass nur knapp 4 % der Wohnungen im Bestand der Gesellschaften/Genossenschaften behindertengerecht sind. Diese sind jedoch nach dem Ergebnis der Umfrage auch nur zum Teil tatsächlich an behinderte Personen vermietet.

 

Geht man davon aus, dass es in Trier insgesamt ca. 70.000 Haushalte gibt, heißt das, dass ca. 10% der Haushalte in Wohnungen der großen Genossenschaften und Gesellschaften leben. Nach Angaben des Versorgungsamtes sind demgegenüber in der Stadt Trier 13.185 Personen schwerbehindert (Grad der Behinderung ab 50), wovon 5.598 Personen über einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „G“ (gehbehindert) verfügen, somit Bedarf an barrierefreiem oder -armen Wohnraum haben. Legte man auch hier zugrunde, dass 10% der Haushalte, in denen Personen mit Gehbehinderung leben, durch die großen Genossenschaften und Gesellschaften versorgt werden müssten, wäre dies hier ein Bedarf von ca. 600 Wohnungen allein bei den großen Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften. Es fehlten somit schon hier ca. 400 barrierefreie Wohnungen.

 

Besonders eklatant ist dieses Missverhältnis jedoch, da gerade der betroffene Personenkreis nicht nur zu 10% sondern weit überwiegend auf Wohnraum großer Genossenschaften bzw. Gesellschaften angewiesen ist und nur selten in Wohneigentum oder in Mietwohnungen kleinerer Vermieter leben kann.

 

Wohneigentum scheidet oftmals aufgrund der häufig schlechten Einkommenssituation Schwerbehinderter aus. Die Anmietung von barrierefreiem Wohnraum im Bestand kleiner, privater Vermieter ist hingegen fast unmöglich, was v.a. der Vielzahl von baulich schwer barrierefrei zu gestaltenden Altbauten in privater Hand geschuldet ist.

 

Insgesamt ergibt sich somit nach Auswertung der Umfrageergebnisse, dass eine Anzahl barrierefreier Wohnungen fehlt, die im oberen dreistelligen Bereich anzusiedeln sein dürfte. Besonders gravierend ist dieser Mangel bei Wohnungen ab 3 ZKB.

 

Alarmierend ist vor diesem Hintergrund ein weiteres Ergebnis der Befragung: Nur die beiden kleineren Genossenschaften „Am Beutelweg“ und die Baugenossenschaft der Eisenbahnbediensteten gaben an, die Schaffung weiteren barrierefreien Wohnraumes zu planen und dies, obwohl alle Genossenschaften und Gesellschaften meinten, ausreichend über Fördermöglichkeiten informiert zu sein.

 

Der Kommune sind angesichts der Finanzlage oft die Hände gebunden. Auch liegt ein wesentlicher Anteil der Verantwortung beim Land, welches gefordert ist, die offensichtlich kaum Anreiz gebenden Förderprogramme zu überarbeiten und so neue Impulse für potentielle Investoren zu schaffen. Gleichwohl sieht der Beirat der Menschen mit Behinderung einen Handlungsbedarf auch auf Seiten der Kommune. Die Nutzung des Einflusses der Stadt als Aktionärin der größten Gesellschaft, der gbt Wohnungsbau und Treuhand AG, mit Vertretern im Aufsichtsrat (u.a. OB Jensen) ist zu verlangen. Aber auch darüber hinaus muss die Kommune im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegen den aufgezeigten Missstand angehen, z.B. durch eine entsprechende Bauleitplanung, die Investitionen in die Schaffung barrierefreien Mietwohnraumes durch Vorteile bei der Grundstücksvergabe begünstigt. Zugleich muss hierbei aufgrund der bereits erwähnten oftmals schwierigen Einkommenssituation Schwerbehinderter die Errichtung barrierefreier Wohnungen auch im sozialen Wohnungsbau forciert werden.

 

Einziger kleiner Lichtblick für Betroffene, die sich auch immer wieder hilfesuchend an den Beirat der Menschen mit Behinderung wenden, ist die Angabe der Gesellschaften und Genossenschaften, dass insgesamt ca. 200 Wohnungen mit wenig Aufwand umbaubar wären. In diesem Zusammenhang kann den Wohnungssuchenden geraten werden, sich an die Gesellschaften und Genossenschaften zu wenden und auch gezielt nach solchen Wohnungen zu fragen. Oftmals ist beispielsweise der Einbau einer ebenerdigen Dusche mit Mitteln der Pflegeversicherung (Zuschuss zur Wohnumfeldverbesserung i.H.v. bis zu 2.557 €) zu bewältigen. Der Vermieter ist hier grundsätzlich zustimmungspflichtig (§ 554 a BGB). Zudem signalisierten die meisten Gesellschaften/Genossenschaften hier ihr Entgegenkommen.